Machen wir uns doch mal den Spaß: Niklas Rudolph, Luis Hessenmöller, Henri Manewald, Jannik Pahl, Tobi Engel, Bilal Ballout, Hendrik Arndt, Ozan Özmen, Sammy Boel, Felix Köppe, Kjell Harden, Noa Skokann... dies ist nicht etwa die Startaufstellung. Nein, es sind ZWÖLF (!) Ausfälle für das Heimspiel gegen die Bezirksligareserve des Buchholzer FC. Ohne Zweifel wäre diese Liste eine absolut schlagkräftige, wettbewerbsfähige Kreisliga-Startelf gewesen. Im letzten Jahr wäre das Team bei diesen Ausfällen ganz sicher nicht mehr spielfähig gewesen. Genau daraus waren die richtigen Schlüsse gezogen worden. Und so war jetzt der verbliebene Kader ganz und gar nicht mehr kritisch. Mit 24 Spielern war man gemeinsam im Trainingslager. Alle daher voll "auf der Höhe". Und viele Spieler flexibel genug, um auch verschiedene Positionen spielen und diese auch während des Spiels wechseln zu können. Im letzten Spiel gegen den TV Welle erwies sich dies als sehr wichtig. Diesmal jedoch stimmte die Anlage und Struktur von Beginn an. Und dabei war der Gegner nicht einfach zu spielen. Alle BFC-Kicker gehen meistens durch die gute Jugendschule der Buchholzer und sind daher individuell aber auch als Team immer in der Lage, diszipliniert die Vorgaben ihrer Trainer umzusetzen. Nicht umsonst hatte das BFC-Team in dieser Saison schon die Spitzenteams Este und Winsen bezwungen. Zu erwarten war eine sehr kompakte Spielweise gegen den Ball und das geduldige Abwarten auf aussichtsreiche eigene Angriffschancen.
Zunächst war darum aus Luhdorfer Sicht insbesondere an die eigene Abwehrkette eine hohe Anforderung gestellt. Einerseits mussten sie die eigenen Angriffe anschieben und unterstützen, um zu Überzahlsituationen zu kommen. Andererseits durften sie dabei keine Fehler machen, welche die Gäste zu einer Führung einladen könnten. Denn heute in Rückstand zu geraten dürfte die Chance auf MTV-Punkte erheblich reduzieren. Bei schnellen Gegenangriffen wurde die MTV-Defensive von den Coaches daher explizit aufgefordert, nicht unbedingt eine spielerische Lösung zu suchen, sondern den Ball sicher zu klären. Notfalls "auf den Tennisplatz" statt einfache Gegentore. Es sollte sich zeigen, dass Lennard Gevers, Sven Netzlaff, Cedric Schulenburg und Serhat Ataykaya alle Vorgaben prima beherzigten und damit letztendlich die wichtigsten Garanten für ein gelungenes Spiel der Höllenberger werden sollten. Das begann mit der Zweikampfführung, die nahe bei 100% gewonnener Defensivduelle lag. Was dann noch durchkam wurde von Schulenburg abgelaufen. Das eigene Passspiel im Aufbau war sehr konzentriert und ohne riskante Ballverluste. Während sich Gevers besonders bei der Balleroberung hervortat, gelangten von dort die Bälle häufig über das Mittelfeld auf den anderen Flügel, wo Netzlaff als nomineller Außenverteidiger gerade in den ersten 45 Minuten enorm prägend und fleißig für das MTV-Spiel war. Dies zwang die Buchholzer in eine hohe Laufbereitschaft. Die Buchholzer wiederum ließen engagiert kaum Lücken oder Strafraumszenen der Luhdorfer zu. Wenn man ehrlich ist, war es zwar taktisch interessant aber für die Zuschauer in der ersten Halbzeit ein eher "ödes" Spiel.
Das lag auch daran, weil die MTVler in Mittelfeld und Angriff schwer ins Spiel fanden. Gerade in den ersten 20 Minuten gelang Janning Dreusicke, Leo Clauer, Kjell Meyer und Sascha Krause wenig bis gar nichts. Selbst ungewöhnliche technische Fehler störten dort den Spielfluss der Höllenberger. Wenn sich offensiv doch etwas tat, dann eher über die Flügel, wo Ole Schmerbitz und Marc-André Böhme gute Aktionen hatten. Böhme hatte auch die einzigen nennenswerten Torchancen, die er aber jeweils knapp verfehlte oder wo der BFC-Keeper einen Treffer vereitelte. Weit aussichtsreichere Angriffe waren zwar durchaus vorhanden, scheiterten aber am letzten Pass oder den richtigen Entscheidungen. Gleiches galt für die Gäste, die zweimal eine potenzielle Gefahr nicht gut ausspielten. Also: 0:0 zur Pause und in der Kabine eine mit sich selbst sehr unzufriedene MTV-Equipe. Die Trainer sprachen zwar Kritikpunkte an, machten aber auch deutlich, dass es für Trübsal keinen Grund gab. Ergebnis sowie Spielverlauf konnten ein durchaus gelungener Zwischenstand sein, wenn ... "Setzt Euch jetzt nicht unter Druck, sondern geht mit Spaß und Spielfreude an die Sache ran." Die wesentlichen Aspekte seien ja bis hierhin gut umgesetzt und erfüllt worden. "Ihr habt die BFCler stark beschäftigt. Die mussten viel laufen." Bald würden Lücken und Chancen kommen. "Dann seid Ihr da und holt Euch die Punkte." Es kam (fast) genau so. Gleich nach der Pause unterliefen den Gäste erste Spielfehler, sogleich ergaben sich Räume und dann sah man plötzlich auch die MTV-Offensive von ihrer besten Seite. Der Aufbau des BFC wurde abgefangen, kam zu Krause und der chippte den Ball wie im Training über die Köpfe der BFC-Abwehr zu Kjell Meyer, der von halblinks aus etwa 8 Metern platziert ins lange Eck einköpfte. 1:0 (51.).
Die Buchholzer schoben nun höher und wurden kurz darauf nochmal kalt erwischt. Mitte der eigenen Hälfte fing der mittlerweile starke Dreusicke einen Ball ab und spielte schnell auf Krause, der sich Höhe der Mittellinie auf den Flügel abgesetzt hatte. Mit dem Außenrist schlenzte er die Kugel hinter die Abwehrkette, wo Meyer tief eingelaufen war. Erster Ballkontakt technisch perfekt, um den Torwart herum und dann ins leere Tor. Ein toller Tteffer. 2:0 (56.). Ein allgemeines Gefühl von "Das war´s!" machte sich breit. Die MTV-Defensive war so sicher. Wie sollten die Gäste noch zwei Tore erzielen? Doch niemand hatte mit dem Kuriositätenkabinett des Fußballs gerechnet, mit dessen Hilfe sich die engagierten Buchholzer ins Spiel zurück kämpften. Zunächst rutschte ein Kullerfreistoß durch, weil "Freund und Feind" den Ball passieren ließen, womit der sichere Keeper Robin Hoffmann nicht rechnen konnte. 2:1 (62.). Und kurz darauf schalteten alle Luhdorfer ab, weil sie einen Freistoßpfiff des Schiedsrichters wahrgenommen hatten. Der Ball trudelte unterdessen ins Tor. Niemand jubelte. Auch die Buchholzer registrierten es kaum. Selbst der Schiri war verunsichert. Gab am Ende den Treffer aber trotzdem. 2:2 (69.). Das gibt´s doch nicht. Nochmal von vorne. Nicht gerade eine psychologische Traumkonstellation. Aber die Höllenberger gingen es an. Die Youngster Baran Büyüksahin und Aaron Dronka kamen in die Partie und brachten neuen unbekümmerten Schwung. Hoffmann parierte in der Schlussphase einen gefährlichen Kopfball. Dann brach schon die letzte Minute an. Die Luhdorfer stürmten mutig weiter. Krause nagelte von halblinks die Kugel auf´s Tor. Die "Pille" flattert, kann vom Torwart zwar pariert aber nicht festgemacht werden ... Clauer hat´s gerochen und wuchtet den 3:2-Siegtreffer ins Netz (90.). Wie sich beide Teams jetzt fühlten... kann sich jeder denken!
