Für das Heimspielfinale 2025 gegen den TuS Fleestedt war seit Wochen abzusehen, dass die Personaldecke eng sein würde. Berufliche Aspekte und Urlaube waren die Ursachen und ergänzten die verletzungsbedingten Ausfälle. Kaum ein Kreisligist kann auf über elf potenzielle Startelfkandidaten verzichten. Darunter vor allem viele Offensivkräfte plus der Kapitän sowie auch noch der "Dienstälteste". Aber, hey, der Kader ist im Sommer bewusst breit aufgestellt und aus den schwierigen Erfahrungen der letzten Saison gelernt worden. Die nachrückende U18 war daher fast vollständig integriert worden. Gut so, denn die Youngster entwickeln sich stetig. Dabei profitieren beide Seiten davon, dass alle Spieler auch in der Jugend schon mit den aktuellen Herrentrainern gearbeitet haben. Sprachgebrauch, Spielsysteme, Standards, Grundlagen ... das war alles kein Neuland. Trotz insgesamt 10 Neuzugänge konnte in der Saisonvorbereitung nahtlos angeschlossen werden, weil inklusive "Heimkehrer" Bilal Ballout alle "Neuen" bestens bekannt waren. Das zahlt sich aus. Gerade jetzt. Schon seit Dienstag stand der Plan, um trotz der nicht oder kaum spielfähigen Ausfälle von Clauer, Krause, Rudolph, Böhme, Köppe, Pahl, Arndt, Özmen, Engel, Wedemeier, Hessenmöller gegen den TuS Fleestedt bestehen zu können. "Es durfte jetzt nur keiner mehr ausfallen." Doch diese Hoffnung wurde am Sonntag-Vormittag leider enttäuscht. Mit Kjell Harden und Sammy Boel gab es zwei zusätzliche Krankheitsfälle. "OK, shit, jetzt wird´s bitter."
Denn ausgerechnet Harden und Boel waren voll eingeplant. Insbesondere Boel galt nach einer starken Trainingswoche als DER offensive Fixpunkt für eigene Torerfolge. Ebenso Flügelflitzer Harden, um später von der Bank mit Zug zum Tor nachlegen zu können. Die geplante Position von Boel war nur schwer neu zu besetzen. Es müsste entweder gleich auf mehreren Positionen umgebaut werden, "...oder... ." Die Trainer entschieden sich überraschend für genau dieses "oder". In Person von Bilal Ballout. Überraschend, weil der Routinier verletzungs- und berufsbedingt in den letzten Wochen kaum stattfinden konnte. Aber alle anderen Positionen konnten damit unverändert bleiben. Jedenfalls solange Ballout durchhalten und die Vorgaben umsetzen würde. Das tat er und wurde somit ein unauffälliger aber wertvoller Part. Sowohl Stammgäste am Höllenberg als auch die Fleestedter dürften einigermaßen überrascht über die Formation des MTV-Teams gewesen sein. Vermutlich in Erwartung einer personell ganz anderen Offensivbesetzungen der Heimelf gingen die Fleestedter von Beginn an mit einer Defensiv- und Kontertaktik ins Rennen. Darauf wiederum hatten die Heimtrainer gehofft. Denn den offenen Schlagabtausch des Hinspiels (5:4) hätten die MTVler diesmal nicht bestanden. Dafür fehlten zu viele Stilmittel für eigene Torerfolge. Stattdessen zogen sich die Gäste aber vom Start weg oft weit zurück und bauten vor dem eigenen Strafraum zwei gut gestaffelte Ketten auf. Das wiederum ließ der neu formierten MTV-Elf viel Zeit und auch oft weitgehend unbedrängten Ballbesitz im Spielaufbau, um selbst Sicherheit ins eigene Spiel zu bekommen.
Gerade für Youngster Aaron Dronka, der sein Startelf-Debüt auf der linken Abwehrseite feierte, war das prima so. Defensiv kaum gefordert bekam er viel Ballbesitz und konnte das meistens sauber nach vorne auflösen. Aber auch Henri Manewald, Janning Dreusicke, Sven Netzlaff oder Ballout kam der Spielstart der Gäste sehr entgegen. Manewald war diesmal auf einer offensiven Halbfeldposition unterwegs. Dreusicke und Netzlaff zum ersten Mal gemeinsam im defensiven Mittelfeld. Das brauchte alles etwas Abstimmungszeit. Besonders schwierig waren die wirklich schnellen Konter der Gäste. Da war die Abwehrlinie mit Cedric Schulenburg, Serhat Ataykaya und Lennard Gevers gelegentlich stark gefordert. Den "normalen" Spielansatz des TuS mit langen Bällen nahm die Luhdorfer Defensive zwar ziemlich leicht vom Feld. Bei Ballverlusten im Mittelfeld war´s dagegen manchmal knifflig. Gerade in der Schlussphase der ersten Halbzeit wurden die Gäste mehrfach eingeladen und hätten in Führung gehen können. Insbesondere bei einem Handelfmeter! ABER: Wozu gibt es Torhüter? Mit Robin Hoffmann, Niklas Rudolph oder Malte Engel zudem jeweils anerkannte und bewährte Elfmeterkiller! Diesmal war es Robin Hoffmann, der die - mit oder ohne VAR - unsinnige Regelauslegung zunichte machte und den Strafstoß dabei sogar festhielt. Die "Null" blieb also stehen. Die Halbzeit war ein guter Anlass, die eigene Ausrichtung noch mehr auf die 5er-Kette der Gäste anzupassen und sich dadurch mit Geduld, Disziplin und Engagement jetzt eventuell sogar einen "Dreier" redlich zu verdienen.
Die Außenverteidiger Gevers und Dronka schoben bis auf die letzte Abwehrlinie hoch. War zwar riskant, aber sorgte für ständige Überzahl auf den Flügeln. Konter waren früher abzuklemmen, zumindest wenn man eigene Ballverluste im Zentrum vermeidet. Das klappte prima. Die Höllenberger wurden drückend überlegen. Zu Großchancen führte es nicht. Auch weil Baran Büyüksahin und Kjell Meyer in vorderer Front viel arbeiten mussten. So fehlte Durchschlagskraft. Aber es gab ja noch eine Option: Wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um eine Standardvariante ins Ziel zu bringen. Folgerichtig wechselten die Luhdorfer. Für den erkennbar müder werdenden Dreusicke kam der gelernte Innenverteidiger Marvin Bodenstein. Er sollte in ungewohnter Mittelfeldrolle vor allem Netzlaff defensiv entlasten. Allerdings kennen die Trainer auch seinen besonderen Kopfballinstinkt aus der gemeinsamen Zeit im JFV (siehe oben). Per Handy gab´s noch die entsprechende Instruktion visualisiert und dann ging´s in der 73. Minute auf´s Feld. In der 75. Minute kam es zur Ecke. Und, kein Spruch, so lautete die Trainer-Vorhersage auf der MTV-Bank: "So, jetzt schaut alle genau hin. Den hat keiner auf der Rechnung. Marvin macht jetzt das 1:0!" Netzlaff bringt also den Eckball auf den gewünschten Punkt, Bodenstein läuft konsequent durch, riecht wo die Kugel runterkommt und wuchtet das Ding ins Netz. 1:0 (75.). Klar, dass es eine Weile dauerte, bis sich die Freudentraube um ihn wieder aufgelöst hatte. Mit Magnus Kruska bekamen der jüngste Spieler des Kaders sowie Ole Schmerbitz auch noch Einsatzzeit. Beide halfen, gut durch die Endphase zu kommen. Und da die Luhdorfer einfach mehr für einen "Dreier" riskiert und investiert hatten, war es am Ende ein verdienter Sieg und damit ein schönes Heimspielfinale des Jahres 2025!
