Die Stammgäste am Höllenberg dürften beim Einlaufen der Teams erstaunt gewesen sein. Die Heimelf betrat den Platz in punkto Personal und Positionierungen in einer völlig neuen Zusammensetzung. Es fehlte eine komplette und überaus schlagkräftige Startelf. Und trotzdem wollte intern kein MTVler einen Gedanken von "B-Elf" oder ähnliches zulassen. Nicht umsonst ist der Kader vor Saisonbeginn so breit aufgestellt worden. Nicht umsonst ist die Trainingsbeteiligung stets hoch. Nicht grundlos sind alle Spieler seit Jahren inkl. der JFV-Jugend mit den Spielsystemen des Teams vertraut. Und nicht umsonst waren 24 (!) Kicker zusammen im Trainingslager ... also alle auch voll in Kenntnis aller Abläufe. Inklusive der Standardsituationen. Das Motto war stets: Jeder Spieler ist wichtig und wird das im Laufe einer langen Saison auch zeigen können bzw. müssen. Und deswegen kam die unter der Woche angebotene Spielverlegung für die Spieler selbst auch nicht in Frage. Also tüftelten die Coaches in der Trainingswoche an einer geeigneten Ausrichtung. Ihr Vorteil war, dass die eingeschränkte Personalsituation gegen Fleestedt schon lange feststand. Die Luhdorfer hofften und gingen davon aus, dass die Gäste sich dagegen eher auf "übliche Protagonisten" wie Krause, Clauer, Boel, Özmen, Köppe etc. einstellen würden und daher im Idealfall nicht die offensive Spielweise des Hinspiels wählen. Da gelangen ihnen damit gleich vier (!) Treffer. Allerdings mussten sie in einem spektakulären Spiel selbst fünf (!) Tore schlucken ... und verloren. Diesmal jedoch hätte eine offensive Spielweise den Höllenbergern wehgetan. Doch es kam wie erhofft. Da auch Fleestedt offensive Ausfälle hatte, setzten sie auf eine tiefe Defensive und wollte überwiegend im flinken Konter zum Erfolg kommen. Das ließ dem extrem jungen MTV-Kader (im Schnitt unter 23 Jahre) genügend Zeit, um ohne großen Gegnerdruck ins Match zu kommen und Sicherheit zu finden. Für die Luhdorfer Zuschauer wurde es aber eine zähe Angelegenheit. Denn um gegen die robuste und defensiv klug agierenden Abwehrketten zum Torerfolg zu kommen, fehlten den MTVlern eben doch einige wichtige Stil- und Personalmittel. Ein Rückstand wäre daher wohl fatal geworden. Die "Null" musste möglichst lange stehen. Vorne müsste entweder ein gelungener Flügelangriff oder mal ein Standard den Erfolg bringen. Und, ja, jeder konnte sehen, dass sich die Heimelf in einigen Phasen schwer tat und auch gefährliche Fehler einstreute. Doch ... die jungen MTVler fanden auch immer wieder zurück in ihre Spur, blieben diszipliniert und unterstützten sich gegenseitig in allen Situationen vorbildlich. Ja, Fleestedt hätte bei einigen Kontersituationen - insbesondere gegen Ende der ersten Halbzeit - durchaus in Führung gehen können. Aber irgendein Luhdorfer war immer noch da. Notfalls der extrem sichere Torwart Robin Hoffmann, der einen Handelfmeter sogar festhielt (!). Das 0:0 zur Pause war ok. Für die zweite Hälfte wurden die Höllenberger dann noch höher und mutiger gestellt, um Lösungen gegen die stabile 5er-Kette des TuS zu kreieren. Es wurde jetzt sehr sichtbar, welches Team mehr für das Spiel und für drei Punkte einbringt. Die Außenverteidiger des MTV schoben bis auf die Abwehrlinie des TuS vor. Der Ballbesitzanteil stieg weiter. Die Kontersituationen der Gäste starben jetzt meistens frühzeitig. Und doch blieben große MTV-Torchancen aus. Also musste es tatsächlich der Standard werden. Eben genau das sprach für die Einwechslung von Youngster Marvin Bodenstein. Der gelernte Innenverteidiger kam in der 73. Minute, um in der Schlussphase im Mittelfeld neue Frische und seine Zweikampfstärke einzubringen. Aber ausdrücklich auch seinen Riecher im Kopfballspiel! Keine zwei Minuten später hatte Marvin diese Vorgabe erfüllt. Niemand konnte ihm dahin folgen, wo die Ecke von Sven Netzlaff hin sollte. Wuchtig verwandelte Bodenstein per Kopf zum Siegtreffer (75.). Etwas Glück ist natürlich immer dabei, wenn ein Wechsel so funktioniert. ABER Zufall war es nicht! Dutzende Male hat der Kapitän der 2007er in der Jugend genau so getroffen. Die Gäste konnten anschließend nicht mehr entscheidend von ihrer sehr geordneten Defensive in eine konstruktive Offensive umschalten. Die Höllenberger brachten die knappe Führung "in die Garage" (ein ausführlicher Bericht jetzt hier unter News/Bericht). Spielerisch sicherlich nicht der schönste Heimauftritt der MTVler ... aber mindestens für die Trainer irgendwie schon einer der schönsten "Dreier" in dieser Saison, weil eben auch ein vermeintlich "zweiter Anzug" stach! Vielen Dank für die geduldige und stets aufmunternde Zuschauerunterstützung!
