Es war schlecht bis gar nicht prognostizierbar, wie und ob der Rückrundenstart gelingen würde. Dafür war wetterbedingt die Vorbereitungszeit aller Teams zu kurz und improvisiert. Das musste man unseren Höllenbergern für das schwere Auswärtsspiel in Holvede in jedem Fall zu Gute halten. Selbst die Testspiele mussten ja abgesagt werden. Trainer und Spieler konnten das eigene Formbarometer kaum einschätzen. Die Gastgeber hatten zwei Kunstrasenpartien gespielt und zumindest den Heimvorteil auf ihrer Seite. Letztendlich konnten sie dies in entscheidenden Schlüsselmomenten der Partie optimal für sich nutzen. Am Ende stand daher eine 0:3 Niederlage, die - wie im Winsener Anzeiger trefflich beschrieben - ebenso "verdient wie vermeidbar" war. Die Höllenberger mussten auf einige erfahrene Spieler wie Sven Netzlaff, Bilal Ballout, Umut Ataykaya oder Marc-André Böhme verzichten, was gerade für so einen "Kaltstart" schade war. Das Durchschnittsalter des Kader ging daher "in den Keller", dennoch liefen auf allen Positionen und auf der Bank durchweg MTVler auf, die ihre Tauglichkeit längst bewiesen haben. Die Trainer hofften, dass der Startelf eine gewohnte Struktur den besten Halt geben könnte. Doch gerade dies war in der Anfangsphase leider nicht Fall. Das Team fand nur schwer in die Abläufe und die Gastgeber waren geschickt darauf aus, genau dies zu provozieren und für sich zu nutzen.
Die ersten 10 Minuten waren wild. Die Abwehrreihen schwammen gehörig. Beide Teams starteten mit Großchancen. Cedric Schulenburg hatte die MTV-Führung per Monstergelegenheit auf dem Kopf. Eigentlich für ihn Formsache, doch die Kugel strich am Pfosten vorbei. Zuvor war Baran Büyüksahin mit einem beherzten Abschluss an einer Glanzparade des TSV-Keepers gescheitert. Da wollte MTV-Keeper Niklas Rudolph nicht nachstehen und verhinderte seinerseits mit zwei super Paraden einen möglichen frühen Rückstand. Dieser offene Schlagabtausch war ja schön und gut. Mit einer möglichen eigenen Führung im Rücken, wäre dies den Höllenbergern durchaus gelegen gekommen. Dennoch schwante den MTV-Trainern bereits, dass man wohl besser frühzeitig in eine andere Grundordnung wechseln müsste, um dem Spiel gegen den Ball mehr Stabilität zu geben. Der Verzicht auf einen "gelernten" defensiven 6er vor der Abwehrkette, der Bälle im Spielaufbau gelegentlich "abholt" und gezielter die Passwege schließt, zahlte sich bis hierher nicht aus. Da Netzlaff und Ballout fehlten und Hendrik Arndt beruflich bedingt erst spät zum Team stieß, hatte es der offensivere Janning Dreusicke gegen die energischen Gastgeber in zentraler Position enorm schwer. Auch die Außenverteidiger Jannik Pahl und Henri Manewald fanden in der Anfangsphase defensiv schwer in die zugewiesenen Rollen. Und das wiederum übte starken Druck auf das Innenverteidiger-Duo Schulenburg und Luis Hessenmöller aus, die ständig irgendwo einspringen und ausbügeln mussten. So entstand ein wildes Spiel mit Großchancen auf beiden Seiten.
Kurz bevor die Trainer umstellen wollten, schien sich das Match aber zu beruhigen und die Luhdorfer sich eingestellt zu haben. Dass genau in diese Phase ein unerträglich ärgerliches Gegentor zum 0:1 fiel, passte exemplarisch zum heutigen Spiel. Das Schirigespann agierte missverständlich. Ein Einwurf wurde zurecht für die Höllenberger angezeigt. Doch stattdessen führten die Gastgeber schnell aus und trugen den Ball nahezu ohne Gegenwehr ins Netz. Zur Überraschung der Gäste gab der ansonsten gute Schiri aber den Treffer und auch der Linienrichter ließ den berechtigten Einwand im Stile eines ehemaligen Bundeskanzlers ("Ich kann mich nicht erinnern!") nicht zu. Jetzt verloren die MTVler den Faden und hätten in einen höheren Rückstand geraten können. Also veränderten die Trainer in der 26. Minute jetzt notgedrungen die Ordnung. Mit Serhat Ataykaya zog man eine zentrale Absicherung ein. Felix Köppe war im Eifer des Gefechts mit Gelb vorverwarnt und verließ daher vorsichtshalber den Platz, um nicht auch noch das Risiko einer frühzeitigen Unterzahl einzugehen. Und tatsächlich kamen die MTVler mit neuer Statik besser zurecht. Dreusicke und auch Sascha Krause kamen nun deutlich besser zur Geltung und schoben mit Kapitän Leo Clauer mehrere gute Angriffsversuche an. Mit nun zwei nominellen Angreifern vor sich fanden sie die Anspielstationen und die TSV-Abwehr hatte sichtlich mehr Mühe damit. Ein Ausgleich schien möglich. Gerade als der agile Kjell Meyer freigespielt war und von halblinks nur knapp verzog. Aber wieder schafften es die Gastgeber, genau in diese Phase ein "Stoppschild" zu setzen. Wieder aus MTV-Sicht völlig unnötig. An der Mittellinie wurde ein Kopfball verlängert. Die eigentlich vorhandene Absicherung war vernachlässigt, der TSV-Stürmer lief frei durch und erzielte das 2:0 (38.).
Wieder verloren die MTVler jetzt den Faden und retteten sich nur mit Mühe in die Pause. Insgesamt eine verschlafene erste Hälfte, in der man zwar Chancen aber die Intensität der Holveder nicht ausreichend angenommen hatte. Das musste sich in der zweiten Hälfte ändern ... und tat es auch. U19-Youngster Aaron Dronka kam frisch ins Spiel und brachte über links gute Impulse. Beide Flügel waren nun aktiver. Das zentrale MTV-Mittelfeld zeigte in den nächsten 30 Minuten Präsenz und verschaffte dem Team deutlich mehr Spielanteile. Auch die Konteranfälligkeit der ersten Hälfte war nun abgestellt. Es fehlte aber ein Anschlusstreffer, um der Partie endgültig ein neues Momentum zu geben. Die Chancen waren da. Insbesondere Clauer, Meyer und Manewald hatten es auf dem Fuß. Ab der 75. Minute blieb immerhin noch die Zeit für eine beherzte "All-In-"Schlussoffensive und die entsprechenden Wechsel und Abstimmungen wurden vorbereitet. Aber wieder wollte es der Spielverlauf anders. Wieder trafen die Gastgeber zum bestmöglichen Zeitpunkt in den MTV-Kasten. Per Kopf nach einer Ecke. 3:0 (76.). Damit war das Spiel entschieden. Die MTVler spielten zwar weiter nach vorne, wollten aber nun auch nicht in ein noch höheres Ergebnis laufen. Mit Marvin Bodenstein kam ein vierter (!) U-19-Youngster ins Spiel. Dazu noch Arndt sowie Lennard Gevers. So blieb es mit und gegen den Ball bis zum Abpfiff stabil. Bodenstein konnte in der letzten Minute sogar noch freistehend einen Ehrentreffer markieren. Leider verpasste er die Kugel und damit abschließend ein besseres Ergebnis. Die Luhdorfer kassierten eine verdiente Niederlage, die trotz engagierter Gastgeber aber realistisch vermeidbar gewesen wäre.
