Puh, das war ein mehr als tristes Umfeld. Das Gastspiel beim Bezirksligaabsteiger TSV Heidenau hatten die Gastgeber zum SV Dohren verlegen müssen. Das allein war für Clauer & Co. schon keine gute Nachricht. Denn dort hatte man zuletzt vor genau zwei Jahren gespielt. Das gab viel Motivation für zukünftige Aufstiege: "Bloß niemals mehr hier in Dohren spielen!" Nun hieß es: "Von wegen!" Und man glaubt es kaum... die Anlage war noch viel trüber als damals. Das Spielfeld mit einem spürbaren Gefälle war eine einzige "Hoppelwiese". Die MTVler versuchten es sich nicht anmerken zu lassen... jedoch Fußballvorfreude entstand nicht. Aber: Es ging um Punkte. Und das noch dazu immerhin gegen den Tabellenfünften. Bei zwei Nachholspielen können die Gastgeber sogar noch weiter nach vorne aufschließen. Also durchaus ein Spitzenspiel, welches sicher einen besseren Platz verdient gehabt hätte. Die Höllenberger nahmen sich aber vor, hier trotzdem nichts abzuschenken, die Situation anzunehmen und mutig auf drei Punkte zu spielen. Und es ging auch gleich prima los. Mit dem ersten Angriff lag die Führung in der Luft. Die Hereingabe von Baran Büyüksahin hätte Henri Manewald im leeren Tor unterbringen können. Doch er verpasste aus spitzen Winkel den Ball.
Kurz darauf rächte sich das schlimme "Geläuf" für die Gäste bereits bitter. Sascha Krause knickte böse um. Der Knöchel schwoll an. Da war nichts zu machen. Er musste runter. Damit war der geplante Spielansatz maximal gestört. Denn gerade offensiv drückte der Schuh, da mit Sammy Boel und Felix Köppe zwei Alternativen fehlten und für Marc-André Böhme nach verletzungsbedingter Pause 90 Minuten definitiv zu früh kämen. Das gleiche galt natürlich auch für Umut Ataykaya nach Fußballpause und schwerer Grippe. Trotzdem hatten ihn die Coaches vorsichtshalber erstmals mit auf die Bank genommen. Eine weise Voraussicht. Denn so konnte zumindest ein aussichtsreicher "Notfallplan" greifen. Böhme kam also erstmal für Krause - sozusagen als erste "Teilzeitkraft". Doch zunächst mussten die MTVler jetzt erstmal überhaupt ins Spiel zurück finden. Und das fiel ihnen sichtlich schwer. Die Gastgeber zeigte eine große Klarheit in ihrem Spiel. Gingen griffig und körperlich zu werke und spielten im eigenen Ballbesitz stets lang und tief. Vieles landete zwar direkt im Aus und "auf der Wiese". Aber hin und wieder entstand eben auch richtig Gefahr. Gerade bei Ecken und Freistößen. Zweimal musste Keeper Robin Hoffmann sehenswert parieren. Die Luhdorfer zeigten sich beeindruckt und maximal genervt, weil eigene Spielansätze wild versprangen und zwecklos waren. In dieser Phase stach aber bereits zumindest die Abwehrlinie der Gäste hervor. Insbesondere Serhat Ataykaya war voll in seinem Element. Er arbeitete sich nicht nur selbst in jeden Zweikampf hinein, sondern feierte auch die leicht verunsicherten Kollegen bei jeder Zweikampfaktion lautstark ab.
Cedric Schulenburg zog überragend mit. Schnell hatten dann auch Jannik Pahl und Lennard Gevers ihre Zonen im Griff. Die Defensive stand nach etwa 25 Minuten bombensicher. Auch die Vorderleute hatten sich damit abgefunden, dass ansehnliche Ballpassage heute nicht gefragt waren. Sven Netzlaff und Leo Clauer agierten fortan "schlichter" und tatsächlich drehte sich das Spiel und die Höllenberger kamen nun ihrerseits zu zwei dicken Chancen. Clauers Abschluss machte ein Platzfehler zunichte und strich knapp vorbei. Und dann eröffnete sich für Manewald auf Vorarbeit von Kjell Meyer die Monsterchance. Doch es gab zu viele Optionen, zu viel Zeit zum Nachdenken. Prompt misslang die Annahme und der Abschluss strich daneben. Schade. Zur Pause erläuterten die Coaches die weiteren Optionen bei unterschiedlichen Spielständen. In erster Linie müsse man aber Konzentration und Geduld bewahren. Die Defensive braucht volle Aufmerksamkeit und Teamwork, damit nicht irgendetwas blöd durchrutscht. Solange dies gelingt, kann offensiv jederzeit eine eigene Aktion gelingen. Gevers war leicht angeschlagen. Seine Auswechslung würde der Auslöser für einen besprochenen Wechselplan werden. In der 65. war es soweit und dürfte insbesondere die Luhdorfer Stammzuschauer verwundert haben. Denn für Gevers kam mit Marvin Bodenstein zwar ein gelernter Verteidiger ins Spiel... er ging aber in die Sturmspitze. In der Zwischenzeit war das Spiel nämlich ziemlich chancenarm geworden. Beide Abwehrreihen ließen wenig zu. Der U19-Kicker Marvin sollte daher an vorderster Front die stabile TSV-Defensive fleißig abarbeiten. Außerdem ist Bodenstein hinten wie vorne kopfballstark, was die Mannschaft in der Schlussphase sicher gut gebrauchen könnte.
In erster Linie diente das aber der Vorbereitung für einen weiteren Wechsel ab der 75. Minute. Dieser würde es dann auf einen Siegtreffer bzw. Lucky Punch in der Schlussphase absehen. Zunächst ging Manewald auf die Außenverteidigerposition zurück, weil die Gastgeber erwartungsgemäß ihren flinken Joker von der Bank zogen. Dagegen war Manewald ideal besetzt. Er vereitelte die letzte Großchance des TSV. Jannik Pahl hatte sich gut auf den TSV-Torjäger eingestellt und gewann diese Duelle. Die Abwehr war sattelfest. In der 75. Minuten ging Böhme also nun wieder raus und es kam Umut Ataykaya zu seiner "Teilzeit-"Premiere im Höllenbergtrikot. In vorderster Reihe damit alle drei U19-Youngster mit Meyer und Büyüksahin auf den Flügeln. Im Strafraum für etwaige Flanken der Kopfballstarke wuselige Bodenstein und dahinter Ataykaya. Dieser würde eventuell nur eine einzige Aktion brauchen, um so ein Spiel zu entscheiden. Gleich im ersten Kontakt kamen seine individuellen Fähigkeiten zum Ausdruck. Auf dem Raum einer Briefmarke versetzte er gleich sechs TSV-Abwehrbeine. Nur die Hereingabe scheiterte an den Platzverhältnissen sowie der verständlicherweise noch fehlenden Abstimmung mit den Mitspielern. Das wird noch etwas Zeit und Training brauchen. Aber spätestens zur neuen Saison verfügen die MTVler sicher über eine bemerkenswerte Verstärkung und Offensivalternative. Für heute wurde es nicht mehr zählbar. Umgekehrt mussten auch die Gastgeber stets auf der Hut bleiben und unterließen zwingende Toraktionen. Ein Lucky Punch blieb also aus. Für beide Teams gab es einen verdienten "Kampfpunkt"!
