Nach der 2:7-Klatsche der Vorwoche im Spitzenspiel stand ein Auswärtsspiel in Welle an. Es wurde sehr ernsthaft angegangen, denn aus Sicht der MTV-Trainer war dieses Match nun sehr wichtig geworden. Für die eigene Entwicklung vielleicht sogar wichtiger als das Nachholspiel in Maschen. Nach der heftigen Lehrstunde gegen den FC Este sollte idealerweise eine Reaktion und ein Erfolgserlebnis anschließen. Mit einem "Dreier" in Welle würde man zudem in jedem Fall vor dem VfL bleiben, was eine bessere Ausgangslage für das direkte Duell bedeuten würde. Entsprechend bereitete man sich unter der Woche penibel auf die Spielweise des TV Welle vor. Dazu diente auch eine Spielbeobachtung am Mittwoch. Dort holte der TV ein respektables 1:1 in Maschen und hatte mehrere Großchancen, um das Match auch zu gewinnen. Entsprechend gewarnt waren die MTVler. Insbesondere vor der engagierten Abwehrarbeit und den pfeilschnellen Kontern. Und da Routinier Sascha Krause wegen einer Gelbsperre fehlen würde, mussten Personal und Ausrichtung für das Auswärtsspiel ohnehin geändert werden. Die Trainingsbeteiligung war ideal und das Team konnte einige neue Varianten einspielen. Erste Hinweise auf die Herangehensweise sowie auf die Startaufstellung kristallisierten sich heraus und funktionierten im Training ordentlich. Leo Clauer sollte offensichtlich eine Position weiter nach vorne positioniert werden. Im zentralen Mittelfeld zwei spielintelligente und ballsichere Kicker und auf beiden Seite zwei jeweils völlig neu formierte "Pärchen" auf Außen.
Doch als alles fix war, gab es am Spieltag in letzter Sekunde einen Rückschlag aufgrund eines kurzfristigen beruflich bedingten Ausfalls. Aber nun alles wieder umzuschmeißen war jetzt auch keine Lösung. Für Hendrik Arndt rückte Tobi Engel in die Startelf und sollte in erster Linie - wenn möglich - versuchen, im eigenen Ballbesitz genau dessen Aufgaben umzusetzen, damit Sven Netzlaff sich daneben insbesondere um die Spielorganisation kümmern könnte. Wenn Engel dies umsetzen könnte, würde er aufgrund seiner zusätzlichen Stärken bei der Balleroberung eine gute Besetzung sein, um die geplante Spielweise durchzubringen. Man kann vorwegnehmen, dass er dies bis auf zwei, drei kribblige Szenen gut hinbekam und somit ein passender Faktor für das Spiel war. Alles andere lief wie geplant. Nach seiner Abwesenheit gegen Este war Winterzugang Marcel Heinrich in die Startelf rotiert. Nicht zuletzt auch wegen seiner besonderen Stärken bei Standards und im Kopfballspiel. Außerdem schien er geeignet, um das Tempo der schnell vorgetragenen TV-Konter aufzunehmen. Davor ging Janning Dreusicke auf den Flügel. Auf der anderen Seite bekam Henri Manewald den "Spezialauftrag", den Sprinter und Torjäger des TVW möglichst nicht ins Laufen kommen zu lassen. Davor schickten die Coaches überraschend Aaron Dronka ins Rennen, der zuletzt im Training zugelegt hatte und mit seiner energischen Spielweise zum Gegner passen könnte. Die Innenverteidigung stellten wie vergangene Woche Cedric Schulenburg und Luis Hessenmöller, die zusammen trotz der sieben Gegentore eine ordentliche Leistung gezeigt hatten.
Von der ersten Minute an machten die Höllenberger in dieser Formation einen wachen und gefestigten Eindruck. Es passte alles gut zusammen und es begann der erwartete Spielverlauf. Der TVW stand tief und kompakt und lauerte auf Konter und Standards. Die Luhdorfer hatten sich darauf vorbereitet und es gelang ihnen gut, diesen Spielansatz zu umgehen. Die anfänglichen Versuche und Sprints der TV-Angreifer liefen ins Leere. Die MTVler hatten nur wenige gefährliche Ballverluste. Eigentlich nur zwei. Die konnten auch prompt nur mit Mühe verteidigt werden. Einmal musste Keeper Niklas Rudolph glänzend parieren. Danach waren aber alle MTVler gewarnt. Jetzt ging es um die eigene Trefferbilanz. Und die wurde schon nach 12 Minuten erstmals erfolgreich ausgebaut. Bei einer Ecke von Netzlaff stach Neuzugang Heinrich zum 1:0 zu. Umringt von gleich sechs Abwehrspielern fand er das bessere Timing und platzierte seinen schönen Kopfball vorbildlich ins Eck. Am Spiel änderte sich nichts. Der TVW blieb bei seiner Linie. Und die Höllenberger auch. Stets bemüht, einen weiteren Treffer nachzulegen. Clauer und Youngster Kjell Meyer verpassten aber. Halbzeit. Wie gut Manewald seinen "Spezialauftrag" ausgeführt hatte, wurde nach der Pause schnell deutlich, weil sein Gegenspieler "geflohen" war und die Seite gewechselt hatte. Das half ihm aber gar nicht, weil er nun auf Heinrich traf, der auch nur schwer "auf dem falschen Fuß" zu erwischen war. Insofern änderte sich am Spiel nicht viel.
Die Gastgeber machten auch nicht auf, sondern warteten geduldig auf einen Konter oder eine Ecke. Und tatsächlich waren zwei Ecken gleich brandgefährlich geworden. Eine dritte Ecke war völlig unnötig und, ja, es musste beinahe so kommen... Welle kam zum 1:1 (65.). Vom Spielverlauf her aus heiterem Himmel und unerwartet. Aber eben auch brutal effizient. Nun stand zu befürchten, dass die Luhdorfer wie schon gegen Rosengarten, Salzhausen oder Scharmbeck den eigenen Spielfaden verlieren würden. Dort wollte es jeder einzelne unbedingt erzwingen, was das Spiel meistens nicht besser macht. Doch dieses mal blieben die Höllenberger trotz des nervigen Ausgleichs bei sich. Mit Erfolg. Zunächst verpasste Schulenburg zwar eine riesen Kopfballchance. Kurz darauf setzte er aber im Spielaufbau ideal Kjell Meyer ein, der vom Flügel durchbrach und sehr konzentriert auflegte. Manewald, der nun auf seiner Seite weniger zu tun hatte, war im Vollsprint eingelaufen und legte den Ball ins leere Tor. Da war das "Phantom" endlich mal wieder. 2:1 (71.). Die Erleichterung, diesmal den Rückschlag schnell verdaut zu haben, war bei allen MTVlern spürbar. Danach brach das Spiel etwas auf. Die Gastgeber mussten etwas öffnen, kamen aber weiter allenfalls nach Ecken ansatzweise zu Torgefahr. Andererseits bekamen die Luhdorfer nun viele Chancen, um das Spiel zu entscheiden. Clauer scheiterte gleich zweimal an Pfosten und Latte. Und auch Schulenburg hatte das 3:1 auf dem Kopf. Schließlich war es erneut Heinrich, dem das Kombinationsspiel offenbar zu anstrengend wurde. Stattdessen jagte er ein Geschoss aus mindestens 25 Metern los, das direkt unter der Latte unhaltbar einschlug. Mit dem 3:1 (88.) war das Spiel entschieden. Von der Bank brachten Lennard Gevers, Marvin Bodenstein, Ole Schmerbitz und Baran Büyüksahin das Ergebnis verdient nach Hause.
