Endlich standen in der Urlaubszeit genug MTV-Kicker zur Verfügung um einen sinnvollen Test anzusetzen. Dazu kam der Aufsteiger (1. KK) TV Asendorf/D. an den Höllenberg. Eben jener Gegner hatte das MTV-Team vor zwei Jahren aus dem Pokal gekegelt. Einer der ganz wenigen Tiefpunkte der letzten Jahre. In beiden Kadern hat sich seitdem aber auch viel getan. Der TV hat sich stark verjüngt und ist mittlerweile in der 1. Kreisklasse angelangt. Die MTVler haben ebenfalls kontinuierlich ihren Weg verfolgt und sich als Vizemeister der Kreisliga gemausert. Dazu gehört idealerweise aber auch, dass man nun einen Klassenunterschied auch erkennen sollte. Mindestens beispielsweise in punkto Zweikampfführung, Laufbereitschaft, Kombinationssicherheit. Nicht selten hat sich das MTV-Team in der Vergangenheit gerade mit solchen Favoritenrollen schwer getan. Insofern war es interessant, wie sich die Höllenberger diesmal präsentieren würden. Und, das kann vorweg genommen werden, gerade in diesen Hauptintentionen konnte der MTV-Kader diesmal überzeugen. Gerade die überraschende Startelf, die sich stark an der bisherigen Trainingsbeteiligung orientierte, ergriff seine Chance und legte eine zufriedenstellende, flüssige erste Halbzeit hin. Nicht, dass immer alles geklappt hätte. Aber die "Basics" wurden diszipliniert und gemeinsam prima umgesetzt.
Allen voran Marvin Bodenstein, der aufgrund seiner hervorragenden Trainingsarbeit einen Platz in der Innenverteidung einnahm und sich sowohl in der engagierten Zweikampfführung aber auch im sehr umsichtigen Aufbauspiel hervortat. Da muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Youngster in den nächsten Jahren in eine wichtige Rolle im MTV-Team hineinwachsen wird. Aber auch seine Nebenleute Lennard Gevers, Serhat Ataykaya und Henri Manewald gaben stets zu verstehen, dass sie ihre Zweikämpfe gewinnen und sich ins eigene Spiel einbringen wollen. Im Mittelfeld führte Sven Netzlaff die jungen Kollegen und wurde dabei effektiv und fleißig von Tobi Engel unterstützt. Auf den Flügeln kurbelten die trainingsstarken Janning Dreusicke und Baran Büyüksahin an, arbeiteten aber auch nach hinten stets mit. Und in der Offensive waren Routinier Sascha Krause und Kjell Meyer gut anspielbar und gaben so den Kollegen die wichtige Zeit, um zahlreich in die Angriffe nachzurücken. So ergab sich über die gesamte erste Halbzeit eine gelungene Spielstruktur und daraus abgeleitet kamen gute Kombinationen und Torchancen zustande. Die erste klare Großchance nutzte Büyüksahin auch zum frühen 1:0 (12.). Dreusicke und Krause hatten vorbereitet. Nur wenig später wurde Krause per Foul gestoppt und erhielt einen Strafstoß. Es sagt einiges (positiv) aus, wenn in diesem Kader ausgerechnet der Jüngste zum Elfmeter antreten darf. Dass er dann natürlich auch verwandeln sollte, versteht sich. Und das tat Kjell Meyer auch. 2:0 (19.). Bis zur Pause ließen die MTV zwar zu viel liegen und leisteten sich in der Schlussphase einige fiese Abspielfehler. Aber das darf in dieser Saisonphase als "normal" bezeichnet werden und es tat dem Spiel auch gut, dass die Partie offen blieb.
Was die MTVler zur zweiten Hälfte dann von der "Bank" ins Spiel bringen konnte, spiegelt die aktuelle Breite des Kaders eindrucksvoll wider. Es kamen Kapitän Leo Clauer, Bilal Ballout, Sammy Boel, Luis Hessenmöller sowie die Neuzugänge Abdulgani Kanat und Gino Path. Das versprach sogar einiges an technischer und individueller Steigerung. Kanat und Path sorgten auch prompt für das 3:0 (46.). Kanat per Kopfballvorlage und Path in echter Mittelstürmermanier. Auch danach blitzte die Spielqualität regelmäßig auf. Allerdings wurde sie insgesamt zu selten effektiv eingesetzt. Offensiv wurde gelegentlich das Einzelspiel übertrieben oder unnötig eine technisch hochwertige Variante gewählt. Die Abwehrlinie ließ sich glücklicherweise davon nicht anstecken und auch sonst blieben alle MTV-Kicker in der Rückeroberung der Bälle aktiv, sodass Keeper Robin Hoffmann weiterhin eher beschäftigungslos blieb. Aber im eigenen Ballbesitz bestand bei immer mehr MTVlern der Hang zum "Komplizierten". Das ergab zwar einige wirklich sehenswerte Aktionen, wie beispielsweise das humorlose 4:0 durch Manewald. Aber eben auch einige unsinnige Dribblings oder schlampige Ballverluste, die den eigenen Spielfluss unterbanden. Zumal zum jetzigen Zeitpunkt natürlich auch immer einzelne Missverständnisse oder fehlende Abstimmungen dazu kommen. Insgesamt darf man das aber als "Jammern auf gutem Niveau" verstehen, denn insgesamt wurde auch die zweite Hälfte seriös und engagiert gespielt. Nun wird es darauf ankommen, die eigenen Möglichkeiten eben auch konsequent umzusetzen. Dass das anspruchsvoll ist, hatte schon der große Johan Cruyff beschrieben: "Fußballspielen ist sehr einfach. Aber einfachen Fußball zu spielen, ist das Schwerste." Genau darum geht´s!
