Das Trainerteam nahm in punkto Aufstellung wenig Rücksicht darauf, dass mit der Auswärtspartie in Holm bereits das erste Pflichtspiel anstand. Startaufstellung, Ausrichtung und auch die Wechsel waren lange im Vorwege festgelegt worden und würden sich allenfalls durch Ausfälle vor der Partie oder Verletzungen im Spielverlauf ändern. Es gab auch keine spezielle Ausrichtung auf den Gegner, sondern einzig und allein einen formulierten Anspruch an das eigene Spiel. Insofern gab es auch keinen konkreten Matchplan. Man gut so, denn der wäre ohnehin nach wenigen Sekunden obsolet gewesen. Nur so lange brauchte es nämlich, sich einen 0:1-Rückstand einzuhandeln. Typisch Pokalspiel und natürlich überhaupt nicht geplant. Das Gegentor war Folge eines ersten Eckballs, der nicht entschlossen genug verteidigt wurde. Keeper Robin Hoffmann wurde kalt erwischt. Die Außenseiter des SV Holm-Seppensen mögen eine Sensation erhofft und dieser Hoffnung mit dem 1:0 auch Nahrung gegeben haben. Irgendwie schien das dem MTV-Team aber herzlich egal zu sein. Mit dem Anstoß von Kapitän Leo Clauer fing das Spiel für sie quasi nochmal neu an. Davor war man ja faktisch noch gar nicht am Ball gewesen. In den anschließenden Minuten konnten regelmäßige Zuschauer unseres MTV durchaus schon erahnen, dass sie heute trotzdem wenig Grund zum Zittern haben dürften. Zu klar und überhaupt nicht hektisch oder nervös gingen die Gäste nach dem Rückstand zu Werke.
Man ließ sich auch nicht von gelegentlich sehr harten Attacken mancher SV-Kicker sonderlich beeindrucken. Vielmehr war man selbst sehr konzentriert sowie geschlossen bei der Balljagd und entwickelte daraus gute eigene Stafetten. Immer wieder konnten Tobi Engel und Sven Netzlaff die Angriffe in die Verteilung bringen. Die Flügel wurden gleichmäßig eingesetzt und schafften über Baran Büyüksahin oder Janning Dreusicke erste Durchbrüche. Für den Ausgleich war allerdings ein einstudierter Standard verantwortlich. Nachdem die ersten Eckballausführungen von Netzlaff eher die vermuteten Zielspieler suchten, variierten die MTVler dann plötzlich die Ausführung. Der nun offenbar übersehene Henri Manewald lief perfekt ein und bugsierte den Ball völlig blank volley ins Netz (19,). Anschließend beherrschten die MTVler die Partie bis zur Pause weitgehend nach Belieben. Gerade über Außen schoben Manewald und Lennard Gevers mächtig mit an. Wenngleich die Gastgeber ihren Kasten noch tapfer sauber halten konnten, merkte man den SVlern nach einer halben Stunde schon an, dass die dafür nötige Laufarbeit allmählich Spuren hinterließ. Jedenfalls wurden die Großchancen in der Schlussphase der ersten Halbzeit deutlich. Büyüksahin traf den Pfosten, der agile Sascha Krause köpfte knapp daneben und als Engel und Clauer zu zweit allein auf den SV-Keeper zusteuerten, geriet der gut gemeinte Querpass von Engel zu stramm, sodass Clauer nicht wie geplant ins leere Tor schieben konnte.
In der Halbzeit wurden zentrale Positionen der Höllenberger wie geplant komplett umgestellt. Clauer ging eine Position zurück, Netzlaff wurde zum Außenverteidiger, Cedric Schulenburg ersetzte neben Luis Hessenmöller nun Serhat Ataykaya in der Innenverteidigung. Bilal Ballout und Rückkehrer Abdulgani Kanat kamen zusätzlich ins Spiel. Das halbe Team wurde "durchgewürfelt". Am Spielfluss änderte das aber nichts. Und genauso soll das idealerweise auch sein. Die frischen Kräfte zeigten beim Gegner schnell Wirkung. Allerdings steigerte sich auch der Chancenwucher der Höllenberger. Beispielsweise "verweigerten" die MTVler es gleich zweimal, einen prima vorgetragenen Angriff einfach ins praktisch schon leere Tore einzuschießen. Stattdessen mussten zwei weitere Standardsituation für die beruhigende Vorentscheidung sorgen. Nachdem Krause in der ersten Halbzeit seine Schüsse noch feinjustieren musste, brachte er nun zwei direkte Freistöße gekonnt im Tor unter. In der 55. Minute schlug sein Strahl flach im Eck ein. Und nur fünf Minuten später rechnete der SV-Keeper mit einer Flanke. Doch Krause zog den Ball clever innen an der Mauer vorbei und überraschte damit die ganze Holmer Deckung. Nach dem 3:1 (60.) war kaum mehr zu erwarten, dass die Gastgeber sich noch in ein Elfmeterschießen retten könnten. Allerdings verpassten es die Höllenberger, die mit Sammy Boel und Marc-André Böhme noch zwei neue Offensivkräfte einwechselten, das Ergebnis höher zu schrauben. So kamen die SVler in der Schlussminute noch zu einem Konter, der am Pfosten des MTV landete. Ohne Frage war der Auswärtssieg der Höllenberger aber hochverdient und in weiten Teile auch ansehnlich herausgespielt.
