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MTV schlägt neuen Kurs ein

Luhdorf. Mit seiner Jugendarbeit im JFV Borstel/Luhdorf gehört der MTV Luhdorf-Roydorf zweifellos zu den stärksten und erfolgreichsten Fußball-Talentschmieden des Landkreises Harburg. Doch diesen Erfolg nahtlos im eigenen Herrenbereich fortzusetzen, gelang dem MTV in den letzten Jahren kaum noch. Als Tiefpunkt musste sich der Verein sogar vom Spielbetrieb in der Kreisliga zurückziehen. Doch damit soll nun Schluss sein: Zur neuen Saison wird der Klub ein zusätzliches Herrenteam an den Start bringen, das sich komplett aus aktuellen und ehemaligen JFV-Jugendspielern zusammensetzt.

Die Initiative dazu ging im Frühjahr 2020 von Ex-JFV-Spielern aus. "Drei meiner langjährigen Jugendspieler des 2000er-Jahrgangs standen vor meiner Tür", berichtet Trainer Michael Arndt. Die Fußballer hatten sich vorgenommen, mit möglichst vielen ihrer ehemaligen Teamkollegen wieder zusammenzuspielen und dafür eine Mannschaft aus aktuellen und ehemaligen JFV Spielern aufzustellen. "Das haben sie dann tatsächlich akribisch durchgezogen und organisiert." Ganz waren den Verantwortlichen des Vereins solche Anliegen nicht. "In den letzten Jahren äußerten Nachwuchsspieler des JFV immer häufiger, dass sie nach der Jugend gerne als Team weiter zusammenspielen würden", sagt MTV-Fußballobmann Lutz Reimers. Darauf waren die Strukturen der beiden Stammvereine im Herrenbereich, MTV Luhdorf-Roydorf und MTV Borstel-Sangenstedt allerdings nicht ausgelegt. Vielmehr sollten die jungen Spieler die bestehenden Herrenteams. Doch das wiederum überzeugt nicht jeden der gut ausgebildeten Nachwuchskicker. „Wie viele ehemalige JFV-Spieler heute schon die Herrenteams anderer Klubs stärken kann man jeden Montag in den Spielberichten lesen“, gesteht Reimers ein, und das wurmt ihn.

Also gab der Obmann den drei jungen Leuten grünes Licht. Das Trio meinte es ernst, sodass der MTV nur zwei Wochen später bereits zehn Zugänge aus dem 2000er Jahrgang vermelden konnte - von aktiven Bezirksliga-Kickern bis hin zu reaktivierten Spielern. Mit Michael Arndt und Thorsten Hänel konnten zwei erfahrene Trainer davon überzeugt, das neue Team zu coachen. Die Trainer der aktuellen U14 sahen sich zwar eigentlich nicht im Herrenbereich, „doch die Jungs kennen uns seit vielen Jahren und wussten, wo sie uns packen konnten,“ sagt Arndt schmunzelnd.

„Wir wollen hier schon Gas geben und das Projekt zusammen weiterentwickeln,“ meint der ehemalige JFV-Kicker Leo Clauer. Daher seien für ihn auch Trainingsintensität und -qualität wesentliche Faktoren. „Nur zum locker ´Daddeln´ würde das Projekt für niemanden Sinn machen,“ stellt auch Trainer Thorsten Hänel klar.

Trotzdem gab es von außen auch kritische Stimmen, die einen Wechsel nach Luhdorf in die 2. oder sogar 3. Kreisklasse skeptisch sahen. Torwart Robin Hoffmann, der vom Bezirksligisten TSV Winsen zu seinem Ausbildungsverein zurückkommt, sieht darin aber kein Problem. „In der JFV-Jugend war es für uns alle selbstverständlich, dass wir die Startplätze für höhere Ligen nicht geschenkt bekamen, sondern sie uns selbst erspielen mussten.“ Gerade dies sei für ihn aber auch viele der Mitspieler ein ebenso großer Anreiz, als woanders für einen höherklassigen Verein aufzulaufen. Der MTV Luhdorf/Roydorf möchte sich mittelfristig mit seiner 1. Herren gerne wieder mindestens in der Kreisliga etablieren. „In jedem Fall wollen und müssen wir zukünftig noch gezielter und besser auf die jeweiligen Wünsche der nachkommenden Jugendspieler eingehen,“ resümiert MTV-Obmann Reimers. Natürlich wird es pro Nachwuchsjahrgang auch in Zukunft Spieler geben, die nach der A-Jugend einen sportlich möglichst hohen Einstieg im Herrenbereich suchen und sofort den Schritt in die Bezirks- oder Landesliga anstreben. Dafür bietet der Stammverein MTV Borstel/Sangenstedt mit seiner Bezirksligamannschaft eine bestens geeignete Plattform. 

Beim Partnerverein in Luhdorf will aber bewusst einen anderen Schwerpunkt setzen und ehemaligen und aktuellen JFV-Spielern im gewohnten Umfeld alternative Perspektiven eröffnen. Dass Reimers dazu für den Herrenbereich erstmals auch gezielt auf JFV-Jugendtrainer als Bindeglied zu den Nachwuchsspielern zurückgreift, ist ein konsequenter Schritt. Für den Start des Projektes scheint sich dieser Ansatz jedenfalls auszuzahlen. Denn mittlerweile haben weitere aktuelle und ehemalige JFV-Spieler zugesagt. Der neue Kader verfügt neben den genannten 2000ern nun auch schon über feste Zusagen der Jahrgänge 2003, 2001, 1996 und 1992. Noch ein paar weitere erfahrene Ex-JFVler würden dem Projekt aber sicher noch guttun, meint Coach Hänel: „Wir alle würden uns jedenfalls riesig freuen, wenn auch noch weitere Spieler aus den 1990iger Jahrgängen Lust bekämen und sich dem Team anschließen würden. Trainer Michael Arndt ist mobil unter 0151 – 2 1342 381 zu erreichen.

(aus WA, vom 18.03.2021)