In der letzten Saison konnte man das MTV-Team meistens insbesondere für einen starken Charakter beim Wegstecken diverser Rückschläge und Widrigkeiten loben. Spielerisch überzeugte die Arndt/Hänel-Elf da aber nur selten. Vielleicht gab es deswegen diverse Stimmen, die erhebliche Zweifel an der Kreisligatauglichkeit der Höllenberger äußerten. Zu Unrecht. Denn dabei wurde leicht übersehen, dass das Team in den letzten 27 Spielen (!) nur ein einziges Mal in regulärer Spielzeit geschlagen wurde. Dies gelang am 13.04.2025 mit 0:4 einzig und allein der SG Salzhausen/G. . Ansonsten seit September 2024 keiner anderen Mannschaft. Wieso sollte der Kader also in der neuen Liga nicht auf Anhieb zurecht kommen? Zumal viele Verletzte zurück sind und man aus der verkrampften Vorsaison auch wichtige Erkenntnisse mitgenommen hat. Dass man außerdem selbst in größter Personalnot nicht einfach zu schlagen ist, konnte man schon mal voraussetzen. Nun gilt es die spielerischen Fähigkeiten wieder zu finden und den Kopf endlich wieder davon frei zu bekommen, unbedingt aufsteigen zu müssen. Das ist erstmal erledigt. Und die guten Vorbereitungsspiele sowie der prima Saisonauftakt machten berechtigte Hoffnungen. Nun kam mit dem TSV Holvede/H. der Vorjahresdritte und damit erstmals ein Kreisliga-Spitzenteam an den Höllenberg. Diesmal müssten die Aufsteiger also nicht nur über einzelne Spielphase, sondern über volle 90 Minuten konstant und konzentriert die eigenen Fähigkeiten abrufen ... und ... das gelang!
Obwohl die Gäste personell stark verändert nach Luhdorf kamen, so hatte die Spielbeobachtung in der Vorwoche den MTV-Trainern trotzdem gute Hinweise gegeben. Verstecken wollte man sich nicht. Man musste allerdings davon ausgehen, dass die individuelle Klasse der TSV-Stürmer ein "zu Null" unwahrscheinlich machen dürfte. Vielmehr müsste man das Gästeteam intensiv beschäftigen und das Spiel so lange einigermaßen offen halten, dass sich hinten heraus Vorteile ergeben können. Entsprechend wurde die Startelf etwas umgestellt. Ins Tor rotierte Robin Hoffmann. In der Spitze begann diesmal wieder U19-Kicker Kjell Meyer, der am besten zu der körperlich starken und sehr erfahrene Innenverteidigung der Gäste passte. Außerdem gab Hendrik Arndt sein Kreisligadebüt, was für das eigene Spiel im zentralen Mittelfeld einen anderen Charakter als in den Vorwochen bedeutete. Die individuell auffälligeren Alternativen blieben zunächst "in der Hinterhand". Es ging erstmal um Räume schließen, Absicherung, saubere Ballverteilung und ... vor allem ... keine Einzelaktionen und Ballverluste im eigenen Spielaufbau produzieren solange der Gegner noch frisch ist. Das waren die Hauptaufgaben von Leo Clauer & Co im Zentrum. Dahinter die Abwehrlinie der Vorwoche. Davor Sascha Krause, Marc-André Böhme plus die Youngster Meyer und Baran Büyüksahin. Alle vier geeignet, um Angriffe zu starten und abzuschließen, sodass die Gäste möglichst keine Ruhe ins eigene Spiel bekommen sollten. Schonen sollte sich niemand ... es waren genug frische Kräfte in Reserve.
Etwa 10 Minuten tat sich die neue Startformationen schwer. Da hatten Böhme und Arndt insgesamt dreimal mit eigenen Fehlpässen zu gefährlichen Angriffen eingeladen, die allerdings Luis Hessenmöller, Cedric Schulenburg oder der starke Jannik Pahl noch ausbügelten. Danach setzte die Startelf das besprochene Vorhaben jedoch nahezu ideal um und zwang die Gäste mit sicherem Passspiel, guten Ballpassagen und ohne gefährliche Ballverluste in ein sehr intensives Spiel. Bald war kaum mehr zu erkennen, wer Favorit und wer der Aufsteiger war. Doch dann schlug wie befürchtet die individuelle Klasse der TSV-Stürmer zu. Eine kleine Lücke genügte und es stand 0:1 (31.). Nun gut, damit war zu rechnen. Einfach weiter im Plan. "Nur" 0:1. Dass die Gegner müder wurden, war bereits spürbar. Sie überließen den Luhdorfer nach der Führung die Initiative. Die erhöhten prompt sichtlich ihren Spielanteil. Ein Ausgleich lag in der Luft und fiel - wenn auch etwas glücklich - noch vor der Pause. Ein Freistoß von Krause senkte sich plötzlich mit übler Flugkurve ins Eck. 1:1 (44.). Nach der Pause holten sich die Höllenberger das Momentum und erhöhten mit Bilal Ballout für Arndt jetzt Kreativität und Risiko im eigenen Spielaufbau. Mit schnellem Erfolg. Eine klasse Kombination steckte Krause schließlich zu Clauer durch, der halbrechts frei vor dem Tor auftauchte und die Kugel zum 2:1 ins kurze Eck jagte (47.). Die Blau-Weißen übernahmen mehr und mehr das Kommando. Wurden allerdings auch gelegentlich anfälliger für Gegenzüge. Insgesamt dreimal kamen die Gäste in der kommenden halbe Stunde noch brandgefährlich vor das MTV-Gehäuse.
Erst rettete Hoffmann glänzend, dann gelang dem TSV mit einer gelungenen Einzelaktion der Ausgleich (58.) und schließlich konnte Schulenburg den möglichen Rückstand mit einem langen Bein vor der Torlinie verhindern. Die letzte Schrecksekunde für die Heimelf war dann die verletzungsbedingte Wiederauswechslung von Ballout. Doch wie ausgeglichen der Kader mittlerweile besetzt ist, wurde gerade dadurch deutlich. Denn den Platz von Ballout übernahm nun Routinier Sven Netzlaff. Insofern gab es natürlich keinen Bruch. Im Gegenteil. Mit frischer Puste konnte Netzlaff nun gegen das sichtlich abgekämpfte Mittelfeld der Gäste ideal das Spiel gestalten. Mit Sammy Boel und Felix Köppe für Krause und Büyüksahin kamen zudem zwei neue Tempospieler. Das war sichtlich zu viel für die Gäste, die nun hauptsächlich mit langen Bällen noch auf eine gute offensive Einzelaktion hofften. Die Luhdorfer hingegen kamen mit spielerischen Aktionen zu diversen 100%igen Torchancen. Böhme ballerte freistehend aus zwei Metern d´rüber. Köppe gelang es nicht, über den Gäste-Keeper ins leere Tor zu heben. Und dann wurde ein guter Abschluss von Böhme von der Linie gekratzt. Die Kontergefahr blieb zwar, aber mittlerweile bestand der Eindruck, dass ein 2:2 zu wenig wäre. Also spielten die MTVler in den Schlussminuten weiter voll auf Sieg ... und wurden belohnt. Außenverteidiger Henri Manewald ignorierte die Kontergefahr, sprintete 80 Meter ohne Gegenspieler unbemerkt nach vorne und stand nach sehenswerter Kombination auf Vorlage von Böhme plötzlich "blank" vor dem TSV-Kasten. Flachschuss, lange Ecke, TOR. 3:2 (87.). Das war´s! Eine über 90 Minuten konstante, konzentrierte, geschlossene Mannschaftsleistung... und auch die Spielfreude ist zurück. Gerne weiter so!