Nach der mehr als ärgerlichen Niederlage in Salzhausen ging die Reise zu einem weiteren Gegner, der nicht nur gute Erinnerungen hervorruft. Gegen die Landesligareserve der SG Scharmbeck/P./A. ist die Bilanz unserer MTVler ziemlich unbeständig. Der 2:0-Finalsieg im Kreispokal 2022, auch ein irres 4:3 nach dem Aufstieg in die 1. Kreisklasse 2023 und der 3:0-Hinspielerfolg stehen auf der Habenseiten. Dagegen standen in der Saison 2023/24 eine fiese 1:2-Lastminute-Niederlage zum Saisonauftakt und - noch schlimmer - die derbe 0:5-Klatsche beim Rückspiel in Ashausen. Die SG kann also unser Team schmerzlich ärgern. Kein Wunder, dass die Trainer gerade jetzt nach dem Negativerlebnis bei der SaGa unbedingt vermeiden wollten, den Gastgebern erneut ins "Messer" zu laufen. Zumal einige Kräfte wie Sven Netzlaff, Bilal Ballout oder Henri Manewald fehlten. Aber es gab auch einige "Rückkehrer". Und dies konnte genutzt werden, um einigen Youngstern mal eine Startelfpause zu geben. Stattdessen wurde für den Start auf ein kompakteres Mittelfeld und nach längerer Zeit mal wieder auf eine "Blockbildung" des Jahrgangs 2000 mit Leo Clauer, Marc-André Böhme, Hendrik Arndt und Janning Dreusicke gesetzt. Das würde kräftemäßig zwar nicht für 90 Minuten reichen. Allerdings ist diese Besetzung aufgrund jahrelangen Zusammenspiels und des ausgeprägten Spielverständnisses in der Lage, ohne lange Anlaufphase jede Vorgabe sauber und diszipliniert umzusetzen.
Zu diesem "Block" passte auch Keeper Robin Hoffmann. Hinter dem 2000er-Block spielten die zuverlässigen Innenverteidiger Serhat Ataykaya und Cedric Schulenburg und davor Routinier Sascha Krause. In dieser Besetzung stand kaum zu befürchten, von den bevorzugten langen Bällen und Kontern der SG überrumpelt zu werden. Hinzu kamen dann noch drei Überraschungen auf den Außenbahnen sowie im Sturmzentrum. Aaron Dronka hatte in Salzhausen überzeugt und begann erneut. Auf dem anderen Flügel sollte Neuzugang Marcel Heinrich sein Startelfdebüt geben. Einerseits hatte er sich in den letzten Monaten prima im Team integriert und andererseits zuletzt sehr überzeugende Trainingseinheiten abgeliefert. Hinzu kam die Überlegung, dass allein seine Größe gegen Scharmbeck bei Standards von Vorteil werden dürfte, um dort den SG-Hünen die Lufthoheit streitig zu machen. Ebenfalls noch zum verdienten Startelfdebüt kam mit Magnus Kruska der jüngster Spieler im Kader. Für eine Position im zentralen Mittelfeld hat er zwar noch viele erfahrenere Mitspieler vor sich. Allerdings kann Kruska auch im Sturm spielen und hat in der JFV-Jugend oft einen ausgeprägten Torriecher bewiesen. Und diese Wahl hätte sich beinahe zum zählbaren Glücksfall entwickeln können. Denn das Spiel war keine fünf Minuten alt, als Kruska schon zum 1:0 abgestaubt hatte. Der Linienrichter hatte zuvor allerdings Krause im Abseits gesehen. Schade. Danach entwickelte sich das Spiel zunächst exakt so, wie geplant.
Die MTVler kontrollierten 45 Minuten Ball und Gegner. Ein Gegentor lag nicht in der Luft, weil Ataykaya und Schulenburg alle langen Bälle sauber verteidigten. Was dann noch durchkam fischte Keeper Hoffmann ab. Vor der Abwehr stellte Arndt aufmerksam die richtigen Räumen zu und fand für die Ballverteilung gewohnt passsicher die bestens bekannten Vorder- und Nebenleute. So ging es oft mit längeren Ballpassagen geduldig nach vorne, wo Clauer antrieb und Krause gute Akzente setzte. Und da Dronka und Heinrich gut mit aufrückten wurden die meisten Angriffe auch abgeschlossen, sodass keine Konter entstanden. Mit dieser kontrollierten Spielweise kamen allerdings Zielstrebigkeit und Offensivdrang etwas zu kurz, so dass kaum gefährliche Torszenen entstanden, da auch die SGler defensiv letztlich sicher agierten. Einzig Böhme hatte nach einem schönen Angriff die Führung auf dem Fuß, setzte die gute Hereingabe von Krause allerdings über den Kasten. Eine weitere potenzielle Großchance von Böhme und Arndt wurde erneut von einem - diesmal wohl unberechtigten - Abseitspfiff unterbunden. Dann war auch schon Halbzeit. Die Startelf hatte die MTVler gut und sicher ins Spiel gebracht. Nun sollten nach und nach von der Bank mehr Tempo und Tordrang ins Spiel kommen, mit der Zielsetzung nun einen Führungstreffer zu schaffen. Baran Büyüksahin kam für Dreusicke und setzte auch gleich Signale. Die Führung lag nun in der Luft. Und tatsächlich. Das 1:0 wurde eine schöne Fußballgeschichte.
Denn Startelfdebütant Heinrich erzielte nach einer Ecke seinen Debüttreffer. Völlig regulär, wie die Bilder zeigen. Denn es war SG-Hüne Carl Rasper, der im Luftkampf mit Heinrich seinem Keeper den Zugang zum Ball versperrte. Die Kugel fiel anschließend dem MTVler vor die Füße, der diese geschickt ins Tor versenkte. 1:0 (59.). Bis hierhin hatte sich die Partie also ideal fast wie auf dem Reißbrett entwickelt. Doch kurz darauf nahmen sich die Luhdorfer etwas zurück. Die Abstände wurden ungewollt größer. Ballverluste häuften sich. Die Höllenberger verloren die klare Linie. Dennoch stand zunächst kaum zu befürchten, dass die Führung in Gefahr kommen könnte. Zumal mit Kjell Meyer, Marvin Bodenstein und Kjell Harden (für Böhme, Arndt und Kruska) weitere Reserven kamen, die eigentlich ideal zum Spiel passten. Meyer verpasste kurz darauf prompt die Vorentscheidung zum 2:0. Auf der anderen Seite klatschte ein Freistoß an den Luhdorfer Pfosten. Das notwendige Spielglück schien also heute auch zu passen. Doch dann musste die Innenverteidigung umgestellt werden, weil Schulenburg krankheitsbedingte Nachwirkungen verspürte. Eine schwere Aufgabe für Luis Hessenmöller, in einer engen Schlussphase die Defensive zu ordnen. In der 84. Minute führte eine völlig unnötige Fehlerkette auf der linken Seite zu einem Ballverlust. Und obwohl noch reichlich MTVler hinter dem Ball waren, gelang es nicht den Konter zu stoppen. Ataykaya griff final ein, der SG-Stürmer fiel und der Schiri befand auf Strafstoß. Selbst diesen hätten die MTVler mit etwas mehr Aufmerksamkeit noch verteidigen können. Aber die SG verwandelte schließlich im Nachschuss und kam zum finalen Endstand von 1:1. Schade. Aber so einen Spielverlauf notfalls clever "nach Hause zu schaukeln" gehört zu den Qualitäten, die das junge MTV-Team noch verbessern kann und muss.
